In der ersten Linie sind Märchen und Märchenbücher wichtig, weil wir dadurch unseren Kindern das Gefühl der Liebe und Geborgenheit vermitteln und zeigen wie wichtig sie für uns sind. Während wir unserem Kind ein Märchen vorlesen, setzt es ein Prozess in Gang, welcher zur gesunden Entwicklung des Kindes beiträgt.
Kinder können im Alter von 2-3 Jahren noch keine Unterscheidungen zwischen Realität, Wünschen und Phantasien setzten. Märchen verkörpern die Denkweise der Kinder und helfen ihnen dabei die Welt zu verstehen. Kinder erleben genauso (innere) Konflikte, die ebenfalls auf eine Lösung warten, wie wir Erwachsene. Mit Hilfe der Phantasie identifizieren sich Kinder mit den Helden der Märchenfiguren und wenn der Held des Märchens gewinnt, ist dies für das Kind gleichzeitig auch ein Sieg über seinen inneren Konflikt.
Die aufgestauten Agressionen, Ängste und Emotionen schließen sich den Abenteuern des Märchenhelden an und durch den positiven Ausgang des Märchens lösen sich diese wieder auf (siehe die Märchen der Gebrüder Grimm). Eltern kennen und erkennen die alltäglichen Probleme ihrer Kinder und durch zielbewusste, situationsbedingte Auswahl des Märchens können sie diese Probleme im Kinde kompensieren. Wichtig ist vor allem, dass das Kind viele verschiedene Märchen kennenlernt, damit es eine größtmögliche Auswahl bekommt, um für das jeweils vorhandene Problem eine Lösung zu finden.
Jedes Element im Märchen hat seine entsprechende Bedeutung bei der Lösung der inneren Spannung des Kindes. Aus diesem Grund sollten wir die „agressiven“ Teile des Märchens nicht auslassen. Das hat folgenden Grund: Es zeigt, dass das Böse zu besiegen ist, genauso wie die Probleme.
Aus diesem Grund sind Bücher und Märchenbücher viel wichtiger als Fernsehen oder der Monitor des Computers. Durch das Vorlesen eines Märchens entstehen in der Phantasie des Kindes nur so viele „böse“ Bilder, die es in seinem Gehirn aufarbeiten kann.
Im Gegensatz zu Büchern kommen im Fernsehen und über den Monitor die agressiven Bilder und Eindrücke mit kometenhafter Geschwindigkeit. Das Ergebniss ist: Anstatt die Agressionen abzubauen wird unser Kind noch agressiver, da die innere Bilderschaffung nicht stattfinden kann.
Märchen aus unserem Kindesalter bereichern uns mit solchen Mustern, welche uns über die Pupertät hinaus begleiten und helfen Probleme in realen Lebenssituationen zu lösen und aufzulösen.


